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salam aleikum

 

am 17.09. 2006 war ich in der moschee AL-NUR einer sunnitischen glaubensgemeinschaft in berlin neukölln bei einem deutschsprachigen unterricht.

zu anfang wurde auf das papst-zitat und den defätismus am gesamten islam eingegangen. das zentrale thema war jedoch die behandlung der sure yusuf [12:20 bis 12:30 ca.], zwischendurch wurde gebetet. im anschluss daran konnten fragen dazu gestellt werden, bzw. allgemeines zum anstehenden ramadan.

als wir ankamen, trauten wir uns erst nicht so recht rein. die frauen waren jedoch alle sehr nett und stellten sich uns für fragen zur verfügung. nachdem wir uns ein wenig umgeschaut hatten und uns die sitzgewohnheiten ect. abgeschaut hatten, begaben wir uns auch in den betraum. unsere schuhe mussten wir natürlich vor der tür ausziehen, aber es wurde nicht von uns verlangt uns einen der röcke über zu ziehen, geschweige denn unser haupt zu bedecken.
per lautsprecher und fernseher wurde der vortrag aus dem männerraum übertragen. auch während des gebets tobten die kinder zwischen den frauen rum und waren die hauptattraktion im raum. auf den fernseher hat niemand geachtet.
viele frauen, die konvertiert haben, waren da. ich habe mit einer gesprochen, die zum beispiel später die frage stellte, ob sie während ihrer schwangerschaft auch fasten müsse.

[hallo?! geht´s noch? fasten in der schwangerschaft??? natürlich nicht. wäre ja auch schlimm wenn doch...]

ich kann mir nicht vorstellen, dass man jemals eine religion frei leben kann, mit der man nicht aufgewachsen ist.

ich bin mit keiner aufgewachsen. natürlich mit dem, was als christlich in dieser gesellschaft gilt. das ist meiner meinung nach aber eher tradition als religion. ich bin weder getauft worden noch sonst irgendwie an irgendwas religiöses herangeführt worden. meine eltern wollten es mir freistellen. ich habe mich damals, als ich mich für den konfirmandenunterreicht entschieden habe, wirklich damit beschäftigen wollen.

doch wie frei kann man sein, mit 12?

mit 16/17 wurde mir immer klarer, dass meine entscheidung falsch war. natürlich hat es mich damals interessiert, ich war neugierig, und wahrscheinlich war es auch ein stück weit rebellion. ich wollte etwas eigenes für mich finden.

dann habe ich angefangen im nebenfach religionswissenschaft zu studieren, und bin aus der kirche ausgetreten. ich bin sehr an religionen, ihren entstehungsgeschichten, entwicklungen ect. interessiert. an allen. manchen mehr, manchen weniger, aber an religion an sich. glaube, so wie er mir in diesem zusammenhang ein begriff ist, ist allerdings für mich persönlich schwerer zu fassen. ich denke, ich habe schon so etwas entwickelt, was ich manchmal auch glaube nenne, meinen eigenen. allerdings ist manches dabei vielleicht eher philosphisch begründet als theologisch.
der mensch versucht sich nunmal die welt und vorallem sich selbst zu erklären.
die abkehr vom glauben ist in den letzten jahrhunderten (natur)wissenschaftlich/medizinisch bedingt. die hinwendung zum glauben in jüngster zeit auch. da, wo das rationale denken und erklärungen der wissenschaft aufhören oder scheitern, setzt der glaube an.
um für mich selber einen weg zu finden, versuche ich mir immer ein möglichst "rundes bild" aus allem zu ziehen. damit erklärbar wird, was unerklärlich scheint. aber auch, dass es, wie shakespeare einst so schön sagte, mehr dinge zwischen himmel und erde gibt, als unsere schulweisheit zu erklären vermag, ist für mich allein schon eine art "erklärung".

auch heute habe ich wertvolle sachen mitgenommen, die meinen horizont und meinen "glauben" erweitert, ausgebaut und ihm eine neue richtung gegeben haben.

aber es ist mir auch mal wieder klar geworden, dass das schlimmste für mich, was mich an einer persönlichen religionszugehörigkeit abstößt, der unumgängliche dogmatismus ist.

29.11.06 17:35
 


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